“Die richtige Balance zu finden zwischen Abgrenzung und Verbundensein ist eine Lebensaufgabe.”

Mit dem Mental Health Blog “Locating Your Soul” habe ich über Beziehungen in der Psychotherapie gesprochen.

Zum Interview auf locating-your-soul.de

Auszüge aus dem Interview

Was zeichnet für dich eine gute und angemessene Beziehung zwischen Klient:in und Therapeut:in aus? 

Ich finde es wichtig, dass meine Klient:innen und ich uns gegenseitig vertrauen, dass wir uns wertschätzen und ehrlich zueinander sind. Mir ist es wichtig, dass die Gespräche auf Augenhöhe stattfinden. Ich sehe mich nicht als „Expertin“, die ihre Klient:innen analysiert und ihnen dann sagt, was sie zu tun haben. Stattdessen gehe ich davon aus, dass sie ihre eigenen Lösungen schon in sich tragen und ich ihnen lediglich dabei behilflich bin, diese zu finden.

Was können Herausforderungen in der Beziehung zwischen Klient:in und Therapeut:in sein?

Es kann sein, dass der Vertrauensaufbau zwischen den Klient:innen und mir nicht recht gelingen mag. Eine Klientin könne zum Beispiel den Eindruck haben, dass ich sie mit meinem Therapieansatz nicht so in ihrem Prozess unterstützen kann, wie sie es sich wünscht. Als Folge könnte sie mir vorenthalten, was in ihr tatsächlich vor sich geht. Wenn ich meine so etwas wahrzunehmen, dann thematisiere ich es. Ein Gespräch darüber ermöglicht uns vielleicht, mehr Vertrauen aufzubauen. 

Es ist jedoch möglich, dass der Vertrauensaufbau nicht gelingt. In dem Fall wäre ich dann nicht die geeignete Therapeutin für diese Klientin und würde ihr empfehlen, sich eine:n andere:n Therapeut:in zu suchen. Generell gilt für mich: Wenn ich Spannungen oder Probleme in der therapeutischen Beziehung wahrnehme, versuche ich sie zu ergründen, zu besprechen und für den therapeutischen Prozess zu nutzen.

In einer Therapie ist Beziehung zu sich selbst ein wichtiger Faktor für Klient:innen. Denn oft geht es in der Therapie darum, diese zu verbessern. Welche Bedeutung hat die Beziehung zu sich selbst auf der anderen Seite, also auf der Seite der Therapeutin?

Aus meiner Sicht, ist es essentiell, dass Therapeut:innen eine gute Beziehung zu sich selbst haben. Als Therapeutin muss ich mich selber sehr gut kennen – unter anderem, um zu verhindern, dass Aussagen oder Handlungen meiner Klient:innen meine eigenen Unsicherheiten triggern. Darüber hinaus ist es wichtig, dass ich während der Sitzungen in stetigem Kontakt zu mir selber stehe, damit ich auch in anspruchsvollen und aufwühlenden Momenten für mich selbst sorgen kann.

Ich habe daher viel Zeit, in die Pflege meiner Beziehung zu mir selbst investiert – zum Beispiel durch eigene Psychotherapie, Selbsterfahrung während meiner Therapieausbildung sowie achtsamkeitsbasierte Verfahren. 

Aus welchen Gründen kommen Klient:innen zu dir?

Tatsächlich sind es häufig Beziehungsthemen. Wir sind als Menschen schließlich soziale Wesen und in unseren diversen sozialen Netzwerke ständig in Beziehung zueinander: in unserer Herkunftsfamilie, in unserer aktuelle Familie oder Partnerschaft, in unserem Freundeskreis, bei der Arbeit, im Studium oder in unserer Nachbarschaft. Und überall, wo Menschen aufeinandertreffen, können Konflikte entstehen, weil wir alle unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen haben – und leider häufig nicht lernen, wie wir diese zum einen selber klar erkennen und zum anderen deutlich und freundlich kommunizieren. Die richtige Balance zu finden zwischen Abgrenzung und Verbundensein ist eine Lebensaufgabe.

Meine Klient:innen beschäftigen dann zum Beispiel solche Themen wie: Wie schaffe ich es, im stressigen Familienalltag meine eigenen Bedürfnisse zu erkennen und durchzusetzen? Wie kann ich meine Rente so gestalten, wie ich das möchte – ohne zu sehr darauf zu achten, was andere für Anforderungen an mich stellen? Sollte ich meine Beziehung beenden? Oder: Wie kann ich es hinkriegen, eine reife Beziehung anzufangen? Wieso habe ich ständig das Gefühl meine Freund:innen zu enttäuschen? Und was haben eigentlich meine Erfahrungen als Kind  in meiner Herkunftsfamilie damit zu tun?

Was findest du an deiner Rolle als Therapeutin besonders schön?

Nichts interessiert mich so sehr wie das Innenleben von Menschen. Ich finde es total spannend und bereichernd, andere bei ihrer Veränderung und Heilung unterstützen zu dürfen. Ich finde es toll, dass meine Klient:innen mir ihr Vertrauen schenken, mir sehr persönliche Dinge erzählen und dass sie mir zutrauen, dass ich sie auf ihrem Weg unterstützen kann. Ich stehe ihnen gerne mit meinem Wissen, meinen Fähigkeiten, meiner Neugier und meinem Mitgefühl zur Seite. Und ich lerne auch von ihnen – wie meine Klient:innen mit Situationen umgehen, inspiriert mich immer wieder für mein eigenes Handeln.

Zum vollständigen Interview auf locating-your-soul.de

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Workshop: Achtsamkeit & Selbstmitgefühl